Dr. Herzogs Reiseberichte Mittelamerika Teil 4

Bevor ich auf einige Aspekte des Zigarrenlebens in Cuba eingehe, muss hier die gegenwärtige Situation im Jahre 63 der Revolution erwähnt werden.

Die ökonomische Krise sitzt tief. Sechsstellige Inflation und Mangelwirtschaft. Für den ausländischen Touristen bedeutet das: Auf der einen Seite war Havanna noch sie so herausgeputzt wie heute. Vieles wurde renoviert, sogar der ehrwürdige Speisesaal im Hotel Nacional erstrahlt in nie gesehenem Glanz. Viele neue private Restaurants von internationalem Standard sind entstanden, sowohl was die Küche, als auch, was Ambiente und Angebot an teuren Spirituosen anbelangt. Auf der anderen Seite das Problem: Irrwitzige Preise, unerschwinglich, wer zum offiziellen Kurs Kubanische Pesos wechselt. Kreditkarten werden nur noch in staatlichen Hotels und Restaurants akzeptiert (offizieller Kurs!). Der konvertible Peso wurde abgeschafft. Wer aber schwarz wechselt, dem drohen durch ein neues am 1. Februar in Kraft getretenes Gesetz bis zu fünf Jahre Gefängnis …

Die ökonomische Situation bleibt nicht ohne Einfluß auf die Zigarrenproduktion. Nach dem freundlichen Empfang von Eduardo Gonzales vielen deutschen Zigarrenliebhabern bekannt als ehemaliger Repräsentant von Habanos in Deutschland, galt mein erster Besuch der Habanos-Verwaltung, genauer der Leitung des Franchiseunternehmens „La Casa del Habano“. Jorge Perez Martell ist der Chef und Victor Auguilera sein Vize. Gegenwärtig sind zwei neue Casas im Entstehen: Die eine auf der holländischen Karibikinsel St. Martin und die andere bei uns im Hafen.

Wichtig waren für mich auch die Besuche im Hauptlager des Rohtabaks und in der größten Manufaktur Cubas. José Enrique, der uns in Berlin von eingen Jahren in seiner damaligen Funktion als Chef von Cohiba besucht hat, ist heute der Chef des Rohtabaklagers. Eine Ehre, wenn man mit ihm das Lager besuchen und sogar fotografieren darf. Ebenso freundlich war mein Empfang durch Osmar Hernández Fuentes, Generaldirektor von „La Corona“.

Eine Frage, die alle kubanophilen Aficionados bewegt, ist die nach dem akuten Mangel. Ich habe gehört, dass im letzten Jahren ganze 50 Millionen Puros produziert worden sind, 50 Prozent weniger als normal. Zwar wurden von Habanos noch einmal 10 Millionen aus dem Reservelager zugegeben, allerdings ist dieses Lager jetzt so gut wie erschöpft.

Ich fragte verschiedene Leute nach der Ursache für den akuten Mangel. Es kamen verschiedene Facetten zusammen.

  • Die letztjährige Ernte war schlecht. Im Lager von José Enrique gibt es zwar, wie zu sehen ist, Blätter, aber es fehlen die Decker. Gottlob soll die gegenwärtige Ernte sehr gut sein.
  • Dann kam die Katastrophe mit Covid. Die Manufakturen konnten nur jeden zweiten Platz besetzen.
  • Die Einschränkungen brachten die Transportmöglichkeiten fast zum Erliegen.
  • Weiter gab es einen gewissen „shift“ von Rollern aus Cuba nach Nicaragua.
  • Und schliesslich herrscht zur Zeit ein grosser Mangel an Kisten, Beschlägen, Ringen usw.


Fazit: Wir werden uns auf ein weiteres Dürrejahr einstellen müssen.

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