13.10.2010 Zigarre und grosse Teppichkunst weiter lesen

Siawosch Ulrich Azadis geheimnisvoll-exotische Welt orientalischer Teppichkunst Zigarrenraucher sind Genießer, die meistens auch eine Leidenschaft für das Schöne haben. Das zeigte die große Zahl der Teilnehmer an unserem Abend über „Zigarre und große Teppichkunst".

 

Siawosch Ulrich Azadi ist einer der weltweit führenden Teppichkenner, der unsere mehr als 40 Gäste in die Welt der Teppichwissenschaft einführte. Wissenschaftler wollte Siawosch Azadi eigentlich schon immer werden, nur fehlte ihm schlicht das Geld für den Lebensunterhalt. Deshalb stieg der gebürtige Teheraner schon während des Studiums in seiner Wahlheimat Hamburg in den Handel mit Orient-Teppichen ein. Ganz neu war der Umgang mit den gewebten Kunstwerken für ihn nicht, immerhin war sein Vater ein Sammler schöner Teppiche. Mit dem Absatz seiner Teppiche wuchs fortan auch die Neugier an der Ware. „Am meisten ändern sich die Muster, erst dann kommen die Farben und das Material", erklärte uns Azadi bei einer sieben Jahre gereiften Punch Churchill und einem Glas Rum. Die Expertise über einen Orientteppich muss sich im Rahmen einer Strukturanalyse immer mit Muster, Farbe und Material beschäftigen, wobei auch letzteres sehr vielfältig sein kann, Kette und Schuss z. B. aus Baumwolle (welche Qualität, wie gezwirnt?), die Knoten aus Wolle, Seide oder Ziegenhaar. Erst deren genaue Analyse kann Auskunft über Alter und Herkunft eines Orientteppichs geben.

 

In fast fünf Jahrzehnten hat Azadi auf unzähligen Reisen in den Orient mit vielen Irrtümern sogenannter Teppichkenner und selbsternannter Experten (die ihrerseits nich viel mehr taten, als aus alten Büchern abzuschreiben) aufgeräumt und empirisches Wissen über Teppiche zusammenzutragen. Solche wissenschaftlichen Reisen sind für einen Mann, der mit den Knüpferinnen über ihre Arbeit reden will, nicht einfach. Denn der Mann darf mit den Frauen der Nomadenvölker nicht direkt sprechen. „Und die übersetzenden Männer verstanden nichts von dem Handwerk ihrer Frauen, nur vom Verkauf", erzählte uns Azadi. Auch nachdem der Forscher uns weit über eine Stunde Einblick in Geschichte und Herstellung gegeben hatte, wollten unsere Gäste noch mehr wissen und stellten eifrig Fragen. Zum Beispiel: Werden die meisten Teppiche von Frauen hergestellt? Bei den Turkmenen zu 99,9 Prozent von Frauen, während in den Manufakturen großer Städte wie etwa in Isfahan meist Männer arbeiten. Nur wenigen war bekannt, dass die Teppichwissenschaft um 1870 in Berlin begründet wurde. Warum nicht am Ursprungsort im Orient? „Die Leute dort stellen diese Kunstwerke und reden nicht darüber", sagte uns Azadi. Die Leuchtkraft der Farben von Orientteppichen liegt übrigens auch am Klima, das den Herstellungsort beherrscht. „In Regionen, wo elf Monate die Sonne scheint, verkleinern sich die Pupillen und die Menschen werden empfindlicher für Farben", sagte uns Azadi.

 

Der älteste ihm bekannte Teppich ist übrigens in der St. Petersburger Eremitage zu sehen. Der Frost hatte ihn 2500 Jahre in einer Grabkammer konserviert. Wie sein Vater, so sammelt auch Azadi Teppiche. Sie lagern in seinem begehbaren Tresor in Hamburg. Die Leidenschaft für Teppiche sei sein einziges Laster, sagte uns der Spezialist am Ende seiner Einführung und erklärte damit, warum er an diesem Abend im Hafen einer der ganz wenigen war, die nicht geraucht hatten. Aber er hatte seine Freude an den Rauchern und Raucherinnen an diesem Abend. Warum? „Ich habe als Kind zwölf Jahre lang immer wieder neben dem Opiumofen meiner Grossmutter gesessen."

 

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Siawosch Ulrich Azadi ,einer der weltweit führenden Teppichkenner, wird am 13. Oktober, 20.00 Uhr über den "Stand der Teppichwissenschaft" sprechen - ein Thema, das jeden fasziniert, der sich fragt, welche wissenschaftlichen Kriterien bei Teppichen anzuwenden sind. Herr Azadi hat bis zum Abitur in Teheran gelebt und dann in Hamburg studiert, wo er noch heute lebt. Bereits kurz nach dem Studium begann er mit dem Import alter und antiker Teppiche und eröffnete 1966 eine eigene Galerie für Sammler-Teppiche. Seither widmete er sein berufliches Leben der Wissenschaft und Forschung von Teppichen.

 

Weit über 100 wissenschaftliche Aufsätze, Bücher und Ausstellungen zählen zu seinem Werk. Wie sehr sein Sachverstand gefragt ist, zeigt allein schon, dass er es war, der 1977 den Eröffnungskatalog für das weltberühmte Teppich-Museum in Teheran und 1993 den Katalog "Wie Blumen in der Wüste" des Hamburgischen Museums für Völkerkunde verfasste. An dem Abend reichen wir eine Punch Churchill aus einer 2003er Produktion, dazu gibt es einen Rum.

 

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